Grußwort

„Neurologie und technologische Innovationen“ – der DGN-Kongress im digitalen Exil


Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wir freuen uns, Sie herzlich zum 93. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie einladen zu dürfen, der vom 4. bis 7. November 2020 erstmals als virtueller Online-Kongress stattfinden wird. Dieser DGN-Kongress wird neue Maßstäbe setzen, denn wir werden die digitalen Möglichkeiten voll ausschöpfen, um das, was unseren Kongress ausmacht – die Interaktivität, die Diskussionen, das „Wir-sind Neurologie-Gefühl“ und „Live“-Erlebnis –, auch im „Corona-Exil“ umzusetzen.

Das Live-Programm, welches aus Studios in Berlin gesendet wird, besteht aus den drei Hauptkanälen Wissenschaft, Fortbildung und Industrie. Die einzelnen Sitzungen des Live-Programms werden von Top-Experten geleitet, dauern 60 Minuten und beinhalten viele interaktive Elemente wie Votings und Publikumsbewertungen. Im Anschluss an jede Session sind 30 Minuten für Fragen und Antworten (Q&A) vorgesehen, was eine unmittelbare Interaktion zwischen den Zuschauern und den Experten/Vorsitzenden ermöglicht. Das Live-Programm verbindet somit ein nahezu reales Kongresserlebnis mit maximaler Sicherheit: Die Teilnehmer bleiben zu Hause, sind aber dennoch mittendrin im Kongressgeschehen!

In gewisser Weise hat die SARS-CoV-2-Pandemie somit schon das Kongressthema „Neurologie und technologische Innovationen“ vorweggenommen und uns vor die Herausforderung gestellt, den Kongress in einem innovativen Online-Format durchzuführen.

Inhaltlich wollen wir mit dem Kongressthema „Neurologie und technologische Innovationen“ die Aufmerksamkeit auf innovative Technologien richten, die in den vergangenen Jahren bereits wegweisende Erfolge erzielt haben. Die Neurologie und die Neurowissenschaften gelten schon lange als Innovationsfach – auf dem Präsidentensymposium werden international anerkannte Experten über neueste Entwicklungen in ihrem Fachgebiet berichten, die für Außenstehende noch wie Science-Fiction anmuten und die Faszination für unser Fach weiter erhöhen werden.

Was den Neurowissenschaftler Professor Grégoire Courtine und seine Kollegin, die Neurochirurgin Professor Jocelyne Bloch, antreibt, ist, die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit schweren Rückenmarksverletzungen zu verbessern. Sie entwickeln am „Neuro- Restore“-Zentrum in Lausanne neurostimulative Ansätze zur Wiederherstellung neurologischer Funktionen. Besondere internationale Beachtung fanden ihre Studien zur Rückenmarksstimulation: Mit einer präzise gesteuerten Stimulation des Rückenmarks wird die Laufbewegung des Patienten unterstützt – querschnittsgelähmte Menschen waren in der Lage, ohne fremde Hilfe einige Schritte zu gehen.

Ähnlich revolutionär ist das Potenzial der tiefen Hirnstimulation, über das Professor Andrea Kühn, Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation an der Klinik für Neurologie der Charité, berichten wird. Das Verfahren wird bereits erfolgreich bei Morbus Parkinson und Dystonie angewendet, weitere Indikationen im Bereich der Bewegungsstörungen werden erforscht. Nun soll die Stimulation bedarfsgerecht angepasst werden, wobei Hirnsignale als Biomarker dienen, um die sogenannte Closed-Loop-Stimulation zu regulieren.

Eine weitere technologische Innovation, die zunehmend Einzug in die neurologische Versorgung hält, sind telemedizinische Verfahren. Der Pionier der Teleneurologie, Professor Lee Schwamm von der Harvard Medical School, wird über den Einsatz teleneurologischer Verfahren bei der Schlaganfall-Behandlung berichten. Solche Projekte gewinnen vor dem Diktum „time is brain“ eine besondere Bedeutung, gerade in strukturschwachen Regionen. Wie ein Berliner Pilotprojekt bereits gezeigt hat, führt der Einsatz mobiler Stroke Units, speziell mit Computertomographen und Mini-Labor ausgerüsteter Rettungswagen, zu signifikant weniger Todesfällen und weniger Behinderungen infolge von Schlaganfällen.

Wie gewohnt, ein breites Wissenschafts- und Fortbildungsprogramm

Neben diesen spannenden Zukunftsthemen erwartet Sie ein Wissenschaftsprogramm, das alle für den klinischen Alltag relevanten Gebiete der Neurologie abbildet: Auf dem Kanal „Wissenschaft Live“ gibt es Sitzungen zu den Themen „COVID-19 in der Neurologie“, „Schlaganfall“, „Neuroimmunologie“, „Demenz“, weitere Live-Sessions sind „Highlights der klinischen Neurologie: Neurology in Progress“, ein beliebtes Format, in dem Prof. Dr. Hans-Christoph Diener die wichtigsten klinischen Studien in der Neurologie vorstellt, und die abschließende Veranstaltung „Spotlight: Höhepunkte des Kongresses“, die mittlerweile bei unseren Präsenzkongressen zu den bestbesuchten gehört. Außerdem werden vier Videoforen live präsentiert.

An allen vier Tagen gibt es analog zu „Wissenschaft Live“ ein interaktives Fortbildungsprogramm. Über diesen parallelen Live-Kanal („Fortbildung Live“) werden ausgewählte Kurse der DGN-Fortbildungsakademie angeboten.

Die Inhalte der wissenschaftlichen Symposien und Veranstaltungen der Fortbildungsakademie werden wie gewohnt von den jeweils zuständigen Kommissionen der DGN zusammengestellt, was eine hohe Qualität, Aktualität und Praxisbezug gewährleistet.

Zielgruppen: Junge Neurologen, neurologische Fachpflege

Jungen Kolleginnen und Kollegen bietet der Kongress ein breit gefächertes, attraktives Fortbildungsprogramm, das von den Jungen Neurologen (JuNos) konzipiert wurde. Am Freitag, den 6. November 2020, bespielen die „Jungen Neurologen“ (JuNos) einen eigenen Live-Kanal und bieten Fortbildung von jungen Neurologinnen und Neurologen für junge Neurologinnen und Neurologen bzw. diejenigen, die es werden möchten, an.

Speziell für neurologische Pflegekräfte wird es ein Webcast-Programm geben, welches ab dem 4. November für ein Jahr zur Verfügung steht. Das hochkarätige Programm wurde von Prof. Dr. Anne-Kathrin Cassier-Woidasky, Pflegewissenschaftlerin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar), und der Neurologin Prof. Dr. Waltraud Pfeilschifter, Frankfurt/Main, ausgearbeitet.

2020: Wandel, Umbruch, Neubeginn

Der Kongress 2020 steht in vielerlei Hinsicht im Zeichen von Wandel, Umbruch und Neubeginn. Wir mussten den Herausforderungen, vor die die SARS-CoV-2-Pandemie uns gestellt hat, begegnen, und mit Unterstützung der DGN-Geschäftsstelle ist es gelungen, ein hochkarätiges digitales Kongresskonzept umzusetzen, das wenig vermissen lässt, außer natürlich die persönliche Begegnung.

Doch es gibt noch weitere „Neustarts“: Erstmals in der Geschichte unserer Fachgesellschaft werden keine Wissenschaftspreise verliehen. Das Supplement „Neurologen und Neurowissenschaftler in der NS-Zeit“, Ergebnis eines von der DGN beauftragten medizinhistorischen Forschungsprojekts, stellt uns vor die Aufgabe, die Jahre 1933–1945 in der Geschichte unserer Fachgesellschaft aufzuarbeiten. Ehrenpreise zu vergeben, die nach belasteten Persönlichkeiten benannt wurden, ist vor dem Hintergrund der vorliegenden Forschungsergebnisse nicht mehr zu vertreten Die DGN hat daher beschlossen, alle Wissenschaftspreise und Ehrungen, die mit Eigennamen benannt sind, in diesem Jahr auszusetzen und dieses Moratorium für eine sorgfältige historische Aufarbeitung zu nutzen Auf unserem Jahreskongress möchten wir das Ergebnis mit Ihnen diskutieren und laden Sie herzlich dazu ein!

Ein weiteres gesellschaftliches Thema, das im vergangenen Jahr Fahrt aufgenommen hat und letztlich auch zunehmend stärker in der Medizin diskutiert wird, ist das Thema Gender-Gerechtigkeit Auch dieser Debatte wollen wir uns stellen und haben dafür Alice Schwarzer, die wohl wichtigste Vertreterin der deutschen Frauenbewegung, gewinnen können Sie wird auf der Eröffnungsveranstaltung nicht nur Einblicke in ihr Leben und ihre Philosophie geben, sondern auch Aspekte der neurologischen Gender-Forschung und die Rolle der Frauen in der Neurologie diskutieren.

Wir hoffen, dass das Konzept für den ersten digitalen Kongress Sie überzeugt und dass wir Sie „vor Ort“ im World Wide Web zu diesem technisch hochwertigen, virtuellen Kongresserlebnis begrüßen dürfen!



Ihre


Prof. Dr. Christine Klein
Präsidentin der DGN

Prof. Dr. Matthias Endres
Kongresspräsident

Prof. Dr.Carsten Finke
Kongresssekretär

 

 

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Prof. Dr. Christine Klein
Präsidentin der DGN
©
Margret Witzke, Lübeck

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Prof. Dr. Matthias Endres
Kongresspräsident
©
Ulrike Lachmann, CSB

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Prof. Dr. Carsten Finke
Kongresssekretär
© Laura Viefhues

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